18. Juli 2017

5 Tipps für ein effizientes Lektorat und Korrektorat

Übersetzen, Durchlesen, fertig! Viel zu häufig umfasst das 2-Augen-Prinzip nur ein hastiges Eigenlektorat. Mit einem strukturierten Lektorat der eigenen technischen Übersetzung erzielen Sie nicht nur eine höhere Textqualität, sondern sparen sogar noch Zeit.

Der zielsprachliche Text muss nach der Übersetzung noch einmal geprüft werden. Allerdings reicht ein einfaches Durchlesen meistens nicht aus. Sich selbst zu lektorieren ist natürlich nicht ganz so einfach. Der Text ist bereits zu bekannt, um noch viele Fehler in den eigenen Sätzen zu finden. Eine Aufteilung in Lektorat und Korrektorat sind meiner Meinung nach besser geeignet, um die eigene Übersetzung zu optimieren. Wenn dabei auch noch strukturiert vorgegangen wird, lässt sich sogar der Zeitaufwand für das Eigenlektorat reduzieren. Der Lohn der Mühe: eine qualitativ hochwertige Übersetzung. Wie das funktionieren kann, erfahren Sie hier.

Tipp 1: Lektorat und Korrektorat trennen

Beim Korrektorat werden ausschließlich formale Fehler korrigiert. Dazu gehören die Rechtschreib- und Grammatikprüfung, das Korrigieren von Satzzeichen und Interpunktion sowie Zahlen, Tag-Prüfung und Formatierung.

Das Lektorat hingegen konzentriert sich auf den Inhalt. Geprüft werden die sachliche Richtigkeit, die korrekte Terminologie sowie Stil und Ausdruck. Die Prüfung auf die Vollständigkeit auf Wort- und Satzebene gehört ebenso in das Lektorat wie die korrekte Umsetzung von Übersetzungsrichtlinien.

Alles eine Frage der Trennung: Lektorieren Sie Ihre technische Übersetzung, indem Sie sie mit dem Originaltext abgleichen. Konzentrieren Sie sich ausschließlich auf den Inhalt. Stellen Sie sicher, dass alle Sachverhalte korrekt wiedergegeben werden und der Stil passt (z. B. instruktive oder werbliche Sprache usw.). Erst in der zweiten Korrekturphase – im Korrektorat – werden die formalen Fehler korrigiert.

Sie lesen Ihren Text also zwei Mal durch. Da Sie bei jedem Durchgang einen anderen Blick auf den Text einnehmen, werden Sie feststellen, dass das Eigenlektorat insgesamt viel schneller und effizienter ist.

Tipp 2: Korrektorat maschinell durchführen

Noch effizienter ist es, wenn Sie das Korrektorat maschinell durchführen. Exportieren oder kopieren Sie falls nötig die Übersetzung in das Word-Format. Dort können Sie die Rechtschreibung und Grammatik maschinell prüfen.

Nutzen Sie außerdem die Funktionen zur Qualitätssicherung in den CAT-Werkzeugen. Mit diesen Funktionen lassen sich in Windeseile Fehler finden, die mit dem bloßen Auge oft übersehen werden: Zahlen, Format, Variablen, Tag-Fehler, doppelte Leerzeichen, Konsistenz, Interpunktionsfehler am Satzende. Bei vorgegebener Terminologie seitens des Kunden kann auch die Terminologie automatisiert geprüft werden.

Tipp 3: Mit Checklisten arbeiten

Die Trennung von Lektorat und Korrektorat lässt sich mit Checklisten vereinfachen. So können Sie für sich bestimmen, welche Fehler im Lektorat oder Korrektorat geprüft werden sollen. Mit einem Spickzettel, der alle relevanten Fehlerkategorien enthält, wird Ihr Auge für die vom Kunden gewünschten Vorgaben in Bezug auf Stil, Terminologie usw. geschärft.

Noch ein Hinweis: Aus einer Checkliste können Sie ganz bequem eine Xbench-Prüfliste erstellen. Einige Fehlerarten lassen sich nämlich ganz bequem maschinell prüfen. (Wie so eine Checkliste erstellt wird, erfahren Sie übrigens in meinem Seminar Qualitätssicherung mit SDL MultiTerm und ApSIC Xbench im September 2017.)

Tipp 4: Mit ApSIC Xbench oder Papyrus Autor clever prüfen

Überlassen Sie das Korrektorat einer Software. So sparen Sie mehr Zeit und finden gleichzeitig mehr Fehler. Mit der ApSIC Xbench können Sie personalisierte Checklisten anlegen. Jede Checkliste besteht aus Prüfoptionen, die Sie vorab definieren und immer wieder verwenden können. Somit prüfen Sie Übersetzungen gezielt auf häufige Fehler oder verbotene Begriffe.

Deutsche Texte lassen sich auch mit Papyrus Autor raffiniert prüfen und korrigieren. In der Software für Vielschreiber und Autoren ist die aktuelle Version des Duden Korrektor integriert. Selbst sehr umfangreiche Texte lassen sich in Papyrus Autor flüssiger auf Rechtschreibung und Grammatik prüfen als in Word. Praktisch ist auch das enthaltene Synonym-Wörterbuch, das zu einem Begriff viele alternative Ausdrücke anbietet.

Darüber hinaus besitzt das Programm eine Stil- sowie Lesbarkeitsanalyse, die individuell konfiguriert werden kann. Bei dieser Analyse, die Sie an Ihren eigenen Stil anpassen können, werden lange Sätze, überflüssige Füllwörter, zu viele Adjektive, Phrasen und Wortwiederholungen usw. farblich hervorgehoben.

Tipp 5: Konzentration schärfen

Ein gutes Lektorat scheitert selten am Willen. Eher ist es die Konzentration, die nachlässt. Damit Sie dem Lektorat dieselbe hohe Aufmerksamkeit schenken können wie der Übersetzung, gewinnen Sie Abstand zum Text.

Korrigieren Sie den zielsprachlichen Text nicht direkt nach dem Übersetzen. Schlafen Sie eine Nacht darüber oder schieben Sie einen anderen Auftrag dazwischen. Wenn der Liefertermin bereits droht, können Sie mit einer kurzen Musik- oder Kaffeepause oder einem Spaziergang den Kopf frei machen. Schärfen Sie Ihre Konzentration, indem Sie den Text laut vorlesen. Oder drucken Sie den Text auf Papier. Denn das Lesen am Bildschirm ermüdet die Augen schneller.

Auch ein Ortswechsel erhöht die Konzentration. Tauschen Sie Ihr Arbeitszimmer durch ein nettes Café, ein bequemes Sofa oder durch Terrasse und Garten. Ein Umzug an einen anderen Ort bewirkt manchmal wahre Wunder. In einem Café lassen Sie sich vielleicht weniger ablenken und können konzentriert für eine festgelegte Zeit arbeiten. Wenn Sie der Typ sind, der sich mit Hintergrundgeräuschen besser konzentrieren kann, können Sie sich Kaffeehausgeräusche auch auf den PC holen.

Übrigens enthält die aktuelle infoNRW-Ausgabe auch ein Gewinnspiel zum Thema „Lektorat“! Aufgabe ist es, einen kurzen Text zu lesen und möglichst viele Fehler zu finden.

Dieser Beitrag von Katja Althoff wurde zuerst als Artikel im BDÜ infoNRW 2/2017 veröffentlicht. Das infoNRW ist eine Zeitschrift des Bundesverbands für Übersetzer und Dolmetscher (Landesverband Nordrhein-Westfalen) von und für Übersetzer/Dolmetscher.

 

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