17. Januar 2018

Photoshop-Dateien mit Trados Studio übersetzen: So geht’s!

CAT-Software ist schon genial: Ihre große Stärke liegt darin, dass sie eine Vielzahl von Dateiformaten unterstützt. Als Übersetzerin bin ich daher flexibel sein und biete meinem Kunden an, mehr als nur simple Textdateien oder Word-, Excel- und PowerPoint-Dokumente zu übersetzen. Dank der Software „Trados Studio“ sind selbst folgende Dateiformate kein Problem:

  • Adobe FrameMaker (.MIF)
  • Adobe InDesign Interchange-Dateien (.INX)
  • InDesign CS4-CC Markup-Dateien (.IDML)
  • InCopy ICML-Dokumente (.ICML)
  • QuarkXPress-Dateien (.XTG, .TAG)
  • SubRip-Untertitel (.SRT)

Der Nutzen für meine Kunden: Er sendet mir beispielsweise eine IDML-Datei, die englischen Text enthält. Ich bearbeite ausschließlich den Text mithilfe von Trados Studio und sende die IDML-Datei (jetzt mit deutschem Text) zurück. Der Kunde muss dann nur die IDML-Datei importieren.

Aber wie sieht es mit Photoshop-Dateien aus?

Photoshop ist ein Bildbearbeitungsprogramm von Adobe Systems. Laut Wikipedia sollen etwa 90 % aller Grafiker und Designer mit dem marktführenden Programm arbeiten. Somit war es gar nicht so unwahrscheinlich, dass eine Anfrage zur Übersetzung von Dateien mit der Endung .PSD in mein Postfach geflattert ist.

Die unangenehme Nachricht gleich mal vorab: PSD-Dateien lassen sich ohne Photoshop (in kostenlosen Tools wie IrfanView oder PSD Viewer) anzeigen. Aber das native Grafikformat lässt sich auf direktem Weg nicht mit Trados Studio bearbeiten. Ein kurzer Umweg führt trotzdem ans Ziel.

PSD-Dateien lassen sich in Trados Studio nicht direkt öffnen und übersetzen. Aber es gibt eine Lösung, wie der Text aus den Photoshop-Dateien zur Übersetzung exportiert werden kann.

Direkt im Grafikprogramm übersetzen? Lieber nicht.

Die einfachste, aber eben auch fehleranfälligste Lösung ist das Arbeiten im Grafikprogramm. Bei wenigen Zeilen Text bietet es sich an, die PSD-Datei in Adobe Photoshop zu öffnen und zu überschreiben. Bei einem größeren Textvolumen ist das leider ungeheuer aufwendig. Gründe, die dagegen sprechen, die Übersetzung im Grafikprogramm zu erstellen:

  1. Die Textebenen müssen einzeln ausgewählt und bearbeitet werden. Dies bedeutet unter Umständen ziemlich viel Klickerei und Sucherei.
  2. Die Schriftart mag später auf Papier nett aussehen, ist aber für die Arbeit am Text schlecht lesbar oder lenkt ab.
  3. Es gibt keine Prüfoptionen für Rechtschreibung oder Grammatik. Der Text kann auch nicht exportiert werden.
  4. Da der Text überschrieben wird, ist ein Lektorat gegen das Original umständlich oder kaum möglich.
  5. Es besteht die Gefahr, dass – meist urheberrechtlich geschützte – Grafiken, Layout oder Schriften unbeabsichtigt verändert werden.
  6. Je nach Textvolumen kann der zusätzliche Aufwand so beträchtlich sein, dass mehrere Arbeitsstunden oder Arbeitstage länger benötigt werden als eine Bearbeitung in einem Textprogramm. Die Übersetzungskosten schießen in die Höhe.

Für eine qualitativ gute Übersetzung zu einem angemessenen Preis ist es immer besser, den Text vom Layout zu trennen. Das ist die Hauptaufgabe von CAT-Werkzeugen: Den Text aus Dateien – egal welchen Formats – zu extrahieren, und zwar so, dass die Übersetzung später wieder ohne Fehler importiert werden kann. (Auf diese Weise können urheberrechtlich geschützte Layoutelemente auch nicht bearbeitet werden.)

Einmal aus Photoshop in Trados Studio und zurück!

Wie schon verraten gibt es einen kleinen Umweg für eine Übersetzung in Trados Studio, den ich im Folgenden gern vorstelle.

Schritt 1: Photoshop mieten

Eine Vollversion des Grafikprogramms ist unumgänglich. Der Griff in die Tasche ist nicht tief, denn das Designprogramm kann man über Creative Cloud mieten. Für Einzelanwender kosten vier Wochen Nutzung nur um die 35 Euro. Bei Bedarf wird jeweils ein weiterer Monat dazugebucht.

Mit dem Abonnement wird die Vollversion der aktuellsten Version auf dem Rechner installiert. Nach der Installation stehen bei Bedarf weitere ältere Versionen zur Verfügung. Klicken Sie dazu auf das Adobe Creative Cloud-Symbol auf Ihrem Rechner und wählen Sie unter „Apps“ neben „Photoshop CC“ auf den kleinen Pfeil. Nach der Auswahl von „Andere Versionen“ können Sie weitere Versionen herunterladen.

Schritt 2: Sysfilter für Photoshop installieren

Sysfilter für Photoshop von Polmann Services ist eine Software, mit der sich Text aus PSD-Dateien exportieren lässt. Nach der Übersetzung wird der bearbeitete Text mit dieser Lösung wieder importiert. Die Software ist kostenpflichtig. Die Investition lohnt sich aber bei größeren Textvolumen und bei regelmäßigen Aufträgen mit PSD-Dateien.

Zum Ausprobieren gibt es eine Testversion. Zudem ist im Preis ein Support per E-Mail enthalten. Meine Fragen vor dem Kauf hat Polmann Services innerhalb einer Stunde beantwortet. Der Kundenservice ist meiner Erfahrung nach prima. Die Software ist intuitiv zu handhaben. Export und Import funktionieren mit wenigen Klicks. Das Unternehmen stellt praktischerweise eine Settings-Datei für Trados Studio bereit, sodass man sich nicht auch noch mit den Dateitypeinstellungen herumschlagen muss.

Nach dem Kauf muss der Sysfilter registriert und mit dem zugesendeten Aktivierungsschlüssel aktiviert werden und steht dann für den Einsatz bereit.

Schritt 3: Export durchführen

Der Export der Texte aus PSD-Dateien ist smart: Sysfilter für Photoshop öffnen. Unter „Extras“ > „Optionen“ > „Importoptionen“ das Exportformat festlegen. Dann die gewünschten Photoshop-Dateien auswählen. Auf „Exportiere Text“ klicken. Fertig! Im Ordner der PSDs liegen jetzt zusätzlich Word-Dateien mit den extrahierten Texten.

Schritt 4: Studio-Projekt mit SETTINGS-Datei anlegen

Die exportierten Word-Dateien können mit einem Übersetzungssystem übersetzt werden. Beim Kauf des Sysfilters wird eine Einstellungsdatei (.sdlsettings) für Trados Studio auf der Website des Unternehmens zum Download bereitgestellt.

Beim Erstellen eines Projekts im Schritt „Projektdateien“ rechts auf die versteckte Schaltfläche „Dateitypen“ klicken und mit „Einstellungen importieren“ die sdlsettings-Datei hinzufügen. Anschließend die Word-Dateien, die übersetzt werden sollen, auswählen und die Projektanlage abschließen. Wie gewohnt übersetzen und die Zieldateien erstellen.

Schritt 5: Import durchführen

Die Übersetzungen werden wieder in die PSD-Dateien importiert. Zunächst Sysfilter für Photoshop öffnen und unter „Extras“ > „Optionen“ > „Importoptionen“ die korrekte Schrift (Originalschrift) auswählen. Anschließend die übersetzten Dateien mit der Schaltfläche „Importiere Text“ importieren.

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